Nachruf

Mein Freund Uli Gräf lebt nicht mehr. Ich bin unendlich traurig.

Ich lernte Uli als wissenschaftlichen Mitarbeiter des Fachbereichs Informatik an der TH Darmstadt während meines Studiums Ende der 1980-er Jahre kennen. Viele der Übungen und Seminare, die ich besuchte, wurden von ihm gehalten. Ihm habe ich nach dem Studium meine erste Anstellung zu verdanken, bei einem Softwarehaus in Miltenberg.

Sein enormes Wissen über Betriebssysteme, Solaris im Speziellen, und sein Wille, ständig Neues zu (er-)finden, waren für mich Ansporn und Herausforderung zugleich. Er war der Anstoß dafür, dass ich mich heute als UNIX-Spezialist bezeichnen kann.

Gleichgültig, welche Frage man ihm stellte, er hatte die kompetente Antwort. Er gab sein Wissen immer ohne zu zögern weiter. Und hatte er eine Tastatur vor sich und eine Shell offen, gab es Anschauungsmaterial live und gratis dazu.

Seine Vorträge waren dermaßen mit Wissen gefüllt, dass ich mich oftmals ärgerte, keine 10-Finger-Schreibtechnik zu beherrschen. Und auch die letzte Folie seines Vortrags wurde noch lebhaft und mit Witz ausgeschmückt – obwohl er Folien nie mochte. Niemals benötigte er Karten mit Zusatzinformationen, er wusste einfach über sein Thema Bescheid, hatte alles im Kopf.

Das letzte Mal traf ich Uli auf einer Veranstaltung im November 2012 in Dreieich. Er referierte über die SPARC Prozessoren, eines seiner Steckenpferde. Das obligatorische Video mit lauter Musik gefiel ihm ebenso wenig wie mir. Vielleicht habe ich von ihm meine puristische Ader … Inhalt geht vor Design.

Seine Art, mit der Krankheit umzugehen, drückt sich wohl am ehesten in seiner letzten Email-Antwort auf eine Projektanfrage meinerseits aus:

Hallo Jörg,
Ich bin im Krankenhaus und hatte eine Gehirnoperstion. Keine Angst: Es geht schon. Wieder einigermassen. Aber für das Projekt stehe ich wohl erst mal nicht zur Verfügung.

Grüsse
Uli

Ich werde dich nie vergessen!

Uli Gräf